17.07.2014 - Die eine Rose überwältigt alles

 

 

strittmatter-kl– Hommage an Eva Strittmatter

 

Zu einem literarisch- musikalischen Vormittag mit Ute Knorr und Ingo Alwert waren die Gäste des Frühstück mit Kultur am 8. Juli eingeladen.

Eva Strittmatter wurde am 08. Februar 1930 in Neuruppin geboren. Sie studierte von 1947 bis 1951 in Berlin Germanistik, Romanistik und Pädagogik. Seit 1951 arbeitete sie als freie Lektorin beim Deutschen Schriftstellerverband, später beim Kinderbuchverlag der DDR und ab 1954 als freie Schriftstellerin. Sie veröffentlichte Kritiken, Kinderbücher, Gedichte, Prosa, Briefe. Später gab sie die Werke ihres Mannes, Erwin Strittmatter, heraus.
Sie wurde unter anderem mit dem Heinrich-Heine-Preis und dem Verdienstorden des Landes Brandenburg geehrt.
Seit Mitte der fünfziger Jahre lebt die Dichterin auf einem Gehöft im märkischen Land: Die Birken und Kiefern rund um den "Schulzenhof", die Jahreszeiten und die Blumen und Tiere in ihrem Garten kommen immer wieder in ihren Gedichten vor. Konventionelle Naturbilder, die der klassischen Lyrik ebenso vertraut sind wie dem Volkslied, verbunden mit Versatzstücken des Alltags. Rhythmus und Reim, Ironie und Sentiment charakterisieren ihre Verse.
Mühelos und spielerisch verweben sie das Private mit dem Gesellschaftlichen.
Nach langer Krankheit starb Eva Strittmatter am 03. Januar 2011.

Ute Knorr und Ingo Alwert, ehemalige Mitglieder der professionell ausgebildeten Rezitatorengruppe des „Berliner Lehrerensembles" stellten in ihrem Programm ausgewählte Texte der Dichterin vor und gaben einen sehr persönlichen Einblick in das Leben und Schaffen der Künstlerin.
Die Zuhörerinnen erlebten eine nachdenkliche und emotionale Begegnung mit der wunderbaren Lyrik Eva Strittmatters. Einige Texte wurden vertont (Gerhard Stahlbaum, Dirk Morgenstern, Paul Dessau) und wurden auch gesungen.

Die eine Rose

Die eine Rose überwältigt alles,
Die aufgeblüht ist aus dem Traum.
Sie rettet uns vom Grund des Falles.
Schafft um uns einen reinen Raum,
In dem nur wir sind und die Rose.
Und das Gesetz, das sie erweckt.
Und Tage kommen, reuelose.
Vom Licht der Rose angesteckt.

Werte

Die guten Dinge des Lebens
sind alle kostenlos:
die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
das Leben für teuer zu halten,
wenn die Hauptsachen kostenlos sind?
Das kommt vom frühen Erkalten.
Wir genossen nur damals als Kind
die Luft nach ihrem Werte
und Wasser als Lebensgewinn,
und Liebe, die unbegehrte,
nahmen wir herzleicht hin.
Nur selten noch atmen wir richtig
und atmen die Zeit mit ein,
wir leben eilig und wichtig
und trinken statt Wasser Wein.
Und aus der Liebe machen
wir eine Pflicht und Last.

Und das Leben kommt dem zu teuer,
der es zu billig auffasst.

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