# 57 BlickWechsel – eine Beziehung zur Gegenwart

Ein neues Museumskonzept

BlickWechsel „stört " durch temporäre „Eingriffe" mit ausgewählten Exponaten die Dauerausstellung und regt damit zu einer anderen „Lesart" an.

„Kopfputz" ist der erste „BlickWechsel". Aufgespürt werden soll, wie die Berliner in vergangenen Zeiten mit ihren Kopfbedeckungen umgegangen sind. Die historischen Bildzeugnisse geben Auskunft darüber, dass man bis in die 1960er Jahre nicht ohne „etwas auf dem Kopf" außer Haus ging. Unterschiedliche Kopfbedeckungen standen zur Auswahl und immer der Jahreszeit angepasst. Dazu gehörte bei den Frauen auch oft ein Kopftuch! Was ehemals als modische Accessoires wahrgenommen wurde, hat sich heute durch die öffentliche Diskussion zum religiösen Bedeutungszeichen entwickelt.

1 IMG 0305 2 Theodor Fontane – stets „angezogen" mit breitkrempigem Filzhut. Er schützte vor Wind und Wetter und wies seinen Träger als Sympathisanten der europäischen Freiheitsbewegung aus. Besonders junge Menschen, weiblich wie männlich, tragen gern eine bestimmte Art Hut, die sie mit ihren Idolen aus der Musikszene identifizieren oder einer bestimmten Party-Szene
zuordnen .
3 IMG 0308 2 Der Drehorgelspieler (Leierkastenmann) erbettelte sich früher mit Musik auf den Hinterhöfen seinen Lebensunterhalt. Heute – vor Einführung des Euro – machte man Bekanntschaft mit: „haste mal´ ne Mark"? Der Papp- oder Plastebecher als typisches Geldsammelbehältnis.
4 IMG 0310 2 In einem orientalischen Kostüm porträtierte Gustav Richter 1875 seine Frau Cornelie als sinnliche Orientalin. In der Kaiserzeit wurden erotische Darstellungen nur über dieses Dekor gesellschaftlich akzeptiert. Ein unbekannter Künstler schuf den Kopf des Sarazenen, der den Orientvorstellungen bis heute entspricht.
5 IMG 0311 2 Auf einer Fotografie von 1911 flanieren „Behütete Menschen" Unter den Linden. Einer gibt Anlass zur Sorge im Kino: Da wurde im Film-Vorspann darauf aufmerksam gemacht: „Die Damen werden höflichst gebeten, die Hüte abzunehmen ". Heute heißt es dagegen: „Bitte Handy abschalten".
6 IMG 0312 2 Eine „Schute" mit breiter Krempe schützt eine Berlinerin vor der Sonne auf dem Öl-Bild von 1840. Vornehme Blässe war zu dieser Zeit modern. Heute hingegen wird sogar auf „Selbstbräuner" zugegriffen, damit man dem „Schönheitsideal" entspricht.
8 IMG 0313 2  Das Bildnis an der Wand zeigt Charlotte Pechstein 1919. Max Pechstein romantisiert seine Südseeerfahrungen und verleiht dem Gesicht seiner Frau Züge kolonialer Vorstellungen von der „Eingeborenen". Das Kopftuch ist Requisit. Die Zeitung aus heutigen Tagen zeigt drei Preisträgerinnen mit dem unentbehrlichen Bestandteil ihrer Bekleidung als Pendant.
 9 IMG 0314 2 2003 beschloss Emel Z. ihr islamisches Kopftuch zu verändern. Zwei Berliner Hutmacherinnen kreierten Hüte mit Stoffteilen, die den Hals bedeckten. Sie setzte sich beim Tragen dieser Produkte inhaltlich mit den religiösen Quellen auseinander und beschloss eines Tages, ganz auf diese Form der Kopfbedeckung zu verzichten und legte sie endgültig ab.
10 IMG 0298 2 Seren Basogul setzt sich in ihrer Diplomarbeit mit der Wahrnehmung der kopftuchtragenden muslimischen Frau auseinander. Wann kippt die Wahrnehmung? Warum fällt das Kopftuch der Muslimin in der Öffentlichkeit auf?
11 IMG 0300 2 Wegen der hohen Kindersterblichkeit war in früheren Zeiten eine Taufe kurz nach der Geburt existentiell bedeutsam. Der Weg in den Himmel musste geebnet sein. Damit das Kinder-Köpfchen für dieses Ritual in der kalten Kirche gut geschützt war, wurde dem Täufling eine prachtvoll bestickte Haube aufgesetzt. Darunter befand sich noch ein Spitzenhäubchen als weiteren Kälte- und Hautschutz.
12 1 2 IMG 0303 2 Ein unbekannter Fotograf hinterließ die Detailansicht mit einem türkischen Lehrling bei Borsig von ca. 1918. Er trägt einen Fes, der durchaus aus Guben stammen könnte. Für die dort ansässige Hutproduktion war der Fes, der aus Marokko stammt, ein Exportschlager. Heutiges Kinderspielzeug gibt Kindern die Möglichkeit, mit Kopfbedeckungen neue Identitäten zu erfinden.
13 IMG 0301 2 Der Bowler, eine bei Frau und Mann für den Reit- und Autosport immer wieder gern getragene Hutvariante seit 1860.
Die niederländische Designerin Cindy van den Bremen entwickelte für Musliminnen eine Kopfbedeckung, mit der diese ihr Haar problemlos und bequem bedecken und dennoch verschiedene Sportarten ausführen können.




Fotos/Text: gabra























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