# 55 Armut im Alter

Von Armutsrisiko im Alter – über Gesundheitsrisiko bei Armut – bis Wahloption

Beinahe tagtäglich werden die Bürger mit negativen Meldungen zur sozialen und gesundheitlichen Problematik im Alter konfrontiert. Ganz aktuell spricht das Thema insbesondere ältere Menschen an, jedoch sind die jüngeren Generationen genauso betroffen. Ursula von der Leyen schätzt ein, dass besonders künftige Rentnergenerationen höher als bisher angenommen von der Altersarmut betroffen sein werden ...
Durch die Absenkung des Rentenniveaus von 19,6 auf 19 Prozent wird es passieren, dass Renten knapp über der Mindestsicherung von 688 Euro liegen werden und die Rentner somit nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt eigenständig, ohne staatliche Hilfe, zu finanzieren. Geplant ist deshalb, dass jeder Arbeitnehmer auch noch eine zusätzliche, private Versicherung abschließt. Und nur wer umfassend im Voraus, also in jungen Jahren, für seinen Unterhalt im Alter gesorgt hat, kann eventuell mit einer „Aufstockung" rechnen. Die Gewerkschaften und einige Politiker lehnen die Absenkung des Rentenniveaus ab. Dem Arbeitnehmer blieben ab 2013 ca. 6 –7 Euro mehr in der Lohntüte. Die Arbeitgeber machen den Reibach, sie sparen mehrere Milliarden.

Vor einigen Wochen, genau am 30. August 2012, lud das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zu einer Fachveranstaltung ein, die im Rahmen der 38. Seniorenwoche mit ihrem Thema gut gewählt war. Die Zahl der teilnehmenden Senioren war nach meiner Einschätzung viel zu gering. Es hätten viel mehr die Veranstaltung nutzen können, um ihrer Verunsicherung freien Lauf zu lassen. Immerhin waren viele da, die sich mit den Sorgen und Nöten der Seniorinnen und Senioren auskannten und täglich die „Trostrolle" im Rahmen ihrer Möglichkeiten übernehmen. Aus den Redebeiträgen war zu entnehmen, dass viele ältere Menschen in Situationen hinein geraten, aus denen ihnen kein Entfliehen möglich erscheint.
Es gibt im Friedrichshain-Kreuzberger Stadtbezirk Sozialräume mit einer sehr hohen Anzahl von Suizid-Fällen. Diese sind besonders auffällig , weil sie die ältere Generation betreffen. Es war erschütternd, was bei der sehr offen geführten Diskussion zu erfahren war. Oft sind es die gesundheitlichen Probleme, die eine Kette von Sorgen nach sich ziehen. Die Vielzahl von Problemsituationen ist weitreichend bekannt. Dennoch ändert sich nichts. Es kann nicht angehen, dass von den Patienten Gebühren kassiert werden, die zu Überschüssen bei den Krankenkassen führen und nicht zurückgezahlt werden müssen. Die Gesetzgeber sind offenbar sehr weit von der Realität entfernt. Die steigenden Beträge bei den Medikamenten und deren Zuzahlungen können dem kleinen Rentner und den zahlreichen Geringverdienern sehr zusetzen und Auslöser für viele Kurzschlusshandlungen sein. Hinzu kommen die Sorgen um die steigenden Mieten. Wie lange kann ich mir die Wohnung, in der ich schon seit vierzig Jahren lebe, noch leisten? –fragen sich insbesondere Rentner. Hier sind eindeutig die Gesetzgeber verantwortlich, Regelungen zu treffen, die dem Bürger ermöglichen, in Würde zu altern!

Nur gut, dass es wenigstens in den Bezirken vereinzelt Einrichtungen gibt, die hilfsbedürftige Menschen „auffangen", ihnen moralische Hilfe angedeihen lassen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. So bieten wir im „RuDi" Kultur-und Nachbarschaftszentrum unter vielen Möglichkeiten der Nutzung auch Beratung zu Hartz IV und allen damit verbundenen Problemsituationen an. „RuDi " ist ein offenes Haus. Ein zentraler Anlaufpunkt für Bürgerengagement im Kiez bietet Selbsthilfegruppen einen Standort zur Verwirklichung von bedarfsorientierten und vielseitigen kulturellen Angeboten. Darüber hinaus organisiert „RuDi" Sozialberatungen und auch Rentenberatungen, begleitet durch sachkundige Mitarbeiter der Rentenberatungsstelle Berlin-Mitte. Dies zu organisieren und zu erhalten, ist vielen fleißigen „Ehrenamtlern" zu verdanken. Der Lebensimpuls im „RuDi" wird aber auch durch Mitarbeiter gesteuert, die häufig selbst durchs „soziale Netz" gefallen sind und dennoch für geringe Arbeitsentgelte bereit sind, Tätigkeiten zu verrichten, die dem sozialen Zusammenhalt dienen. Mit viel Hingabe und Verständnis bemühen sie sich darum, allen Gästen und Nutzern der Einrichtung eine kulturelle und erlebnisreiche Heimstatt zu geben.
Immer wieder standen in der Vergangenheit die notwendigen Arbeitsplätze im Fokus von Streichungsmaßnahmen durch die Bundesregierung. Die Tätigkeitsfelder im Rahmen sozialer Betreuung sind nicht nur durch das Ehrenamt abzudecken! Besonders langzeitarbeitslose Menschen finden hier eine Chance, wieder durch Eingliederung in den Arbeitsprozess ihre Arbeitspotenzen zu aktivieren und sich kreativ in ihrem Betätigungsfeld zu entfalten. Die Anerkennung ihrer Arbeit durch die Nachbarinnen und Nachbarn trägt zur Stabilisierung des Selbstwertgefühls bei und erzeugt Ideenreichtum bei der eigenen Einsetzbarkeit in künftige Arbeitsfelder. Dabei sollte nicht unbeachtet bleiben, dass diese Arbeit einen gesellschaftlichen Wert darstellt und eine angemessene Entlohnung braucht. Auch hier spielt die Höhe der Arbeitseinkünfte eine wesentliche Rolle für die künftige Rente.

Und im Vergleich dazu:
Vor einigen Tagen war in einem Zeitungsartikel zu lesen, dass nach 21 Jahren des Umzugsbeschlusses durch die Bundesregierung von allen Ministerien aus Bonn nach Berlin immer noch alle Ministerien mit jeweils einer Dienststelle in beiden Städten vertreten sind. Am 1.6.2012 arbeiteten noch insgesamt 8095 Beschäftigte in Bonn. In Berlin arbeiten inzwischen 10029. Für das kommende Jahr werden 20178 Dienstreisen erwartet. Damit verbunden sind Kosten von rund 4,9 Millionen Euro. Irgendwie riecht das nach Verschwendung von Steuergeldern!

Für die nächsten Wahlen wird schon kräftig am Rad gedreht. Wir Wähler sollten die Möglichkeiten der Einflussnahme unbedingt erkennen und die richtige Wahl treffen! Gehen Sie zu den Wahlveranstaltungen und nutzen Sie umfassend die Mitsprache bei Gesetzgebungen über den Petitionsausschuss. Lassen Sie nicht zu, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter öffnet.

Redaktion Kultstral

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